40-Jahr-Feier der PTA-Schule-Augsburg
Am 16. September 2010 feierten alle Schüler mit den Lehrern und den Mitarbeiterinnen der Verwaltung das 40-jährige Bestehen unserer Schule.
Der Schulleiter, Herr Fischer, eröffnete die Veranstaltung mit einer Zeitreise und begann mit dem Jahr der Gründung des PTA-Berufes 1968.
Er erinnerte daran, dass auch noch andere wichtige Ereignisse in diesem Jahr stattfanden: so wurde zum Beispiel Richard Nixon zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt, der Vietnamkrieg tobte weiter, in Deutschland fand die Studentenrevolte statt u.v.m.
Mit der Wahl Giovanni Battista Montinis zum 261. Papst schlug Herr Fischer die Brücke zur Pharmazie. Papst Paul VI. wurde damals als "Pillenpapst" bezeichnet, der angeblich die hormonelle Empfängnisverhütung ("Antibabypille") verboten haben soll. Herr Fischer stellte den Sachverhalt richtig, indem er darauf hinwies, dass dies auf einer Falschauslegung der päpstlichen Enzyklika "Humanae Vitae" beruhte, die kein derartiges Verbot enthielt.
Anschließend erklärte unser Schulleiter, welche Gründe dazu führten, dass der neue Beruf "Pharmazeutisch-technischer Assistent" geschaffen wurde, was u.a. mit einer Änderung der Apothekerausbildung zusammenhing.
Auf jeden Fall mussten PTA-Schulen gegründet werden. In Bayern handelte es sich vorerst um vier neue Schulen, allerdings keine davon in Schwaben.
Erst im Jahre 1970 sollte dann auch in Schwaben eine PTA-Schule eröffnet werden und als Standort war neben Augsburg auch noch Mindelheim in der näheren Auswahl. Schließlich erklärte sich die Stadt Augsburg bereit, gegen Entrichtung von Schulgeld die Trägerschaft zu übernehmen, zog sich allerdings kurz vor der Eröffnung wieder zurück, weil bekannt wurde, dass es öffentlichen Schulen nicht gestattet war, Schulgeld zu erheben.
Die Existenz aller bayerischen PTA-Schulen stand plötzlich auf dem Spiel, als kurz entschlossen die Standesorganisationen der bayerischen Apotheker mit der Gründung eines Schulträgervereines reagierten. Damit konnten alle bayerischen Schulen erhalten bleiben, die Augsburger Schule gegründet werden - und das noch dazu in der Hand des Apothekerberufes, was sich für die Ausbildung als ideal erweisen sollte.
Im Anschluss schilderte Herr Fischer, wie die Schulräume mehrmals verlegt wurden, bis schließlich im jetzigen Gebäude eine dauerhafte Bleibe gefunden wurde, die durch neue Labor- und Klassenzimmereinrichtungen in den letzten Jahren eine "Veredelung" erfahren haben. Er dankte an dieser Stelle dem Schulträgerverein, der dies alles schließlich ermöglichte.
Parallel zur Entwicklung der Schule beschrieb Herr Fischer den Schülern die Entwicklung des Apothekenwesens während der letzten 40 Jahre, was durchaus turbulent war, bedenkt man, dass der Versandhandel inzwischen erlaubt wurde, sowie die Möglichkeit, Filialen zu eröffnet etc.
Zur Krönung seiner Reise durch 40 Jahre PTA-Schule durfte Herr Fischer Frau Lisa Strak aus der Klasse 12 b als unsere 2500. Schülerin zu sich bitten.
Schließlich dankte er an dieser Stelle den Mitarbeitern des Lehrerkollegiums sowie der Verwaltung, ohne deren Einsatz dies alles nicht möglich gewesen wäre und und übergab das Wort an dem Ehrengast des Tages, Herrn Dr. Viktor Gusowski, den Gründer und ehemaligen langjährigen Leiter der Schule.
Dr. Gusowski erinnert sich an den 29. September des Jahres 1971, dem " aufregendsten Jahr seines Lebens". Nachdem die Zitterpartie um den Standort Augsburg ausgestanden war, startete die kräftezehrende Phase des beginnenden Schulbetriebes: Das Geld war knapp und die Stundenplangestaltung durch die Aufteilung auf zwei getrennte Räumlichkeiten war ausgesprochen schwierig. Die Gerätschaften für die Praktika wurden nur sehr zögerlich und nach und nach geliefert, so dass der praktische Unterricht sich an der jeweils vorhandenen Ausstattung orientieren musste; Lehrpläne existierten ohnehin noch nicht. Desweiteren gab noch keine Lehrbücher und die Schülerinnen mussten alles handschriftlich notieren. Für Klassenarbeiten stand damals natürlich kein Kopiergerät zur Verfügung, so dass Herr
Dr. Gusowski die Angaben mit Schreibmaschine und Durchschlägen anfertigen musste. Der erste Kopierer, der später angeschafft werden konnte, lieferte eine Kopie pro Minute! Eine weitere Geduldsprobe vor jeder Schulaufgabe. Alle Lehrkräfte waren anfangs noch nebenamtlich beschäftigt und immer wieder wegen ihrer Apothekentätigkeit nicht abkömmlich, so dass die Funktion des Schulleiters sich auf Vertretungen in allen Fächern ausdehnte.
Erst im zweiten Jahr trat Herrn Dr. Gusowski mit Frau Graf (genannt "Gräfin") eine Sekretäring zur Seite, die ihn in allen nur denkbaren Situationen unterstützte und mit Herrn Spangenberg sein erster Stellvertreter, der ihm zahlreiche Mühen abnehmen konnte.
Die staatliche Anerkennung folgte im Anschluss und trotz aller Widrigkeiten entstanden "Ur - PTAs" die zum Teil ihren Beruf heute noch hervorragend meistern - obwohl in der "wilden" Anfangszeit mit den allereinfachsten Mitteln ausgebildet.
Frau Beck erzählt, wie sie im Anfangsjahr, als damalige "Vorexaminierte", von Herrn Dr. Gusowski gefragt wurde, ob sie denn als "Mädchen für alles" an die Schule kommen möchte und diesem Ruf auch gerne gefolgt ist. Mangels ausreichender Ausstattung brachte sie Geräte aus der Apotheke mit in den praktischen Unterricht: Reibschale, Pistill, Zäpfchengießgerät, Pillenmaschine etc.
Sie entschloss sich allerdings doch noch zum Studium der Pharmazie, um anschließend wieder an die Schule zurückzukehren, wo sie bis heute dem Kollegium und inzwischen auch der Schulleitung angehört.
Nun war es an der Zeit, anzustoßen und zum kulinarischen Teil der Feierlichkeiten überzugehen, um für die inzwischen hungrig gewordenen Schülerinnen das Buffet zu eröffnen.
Bilder und Text: Dieter Kaufmann
